Redaktioneller Beitrag in der Salzburger Nachrichten vom 30. 10. 2012:

Alkoholfrei. Der christlich geprägte Verein „Go Salzburg“ will an der Lokalmeile ein Café einrichten und mit „Street Buddies“ ein besseres Miteinander in der Innenstadt erreichen. Die Begründung: „Wir sind alle Eltern.“

Eva Hammerer Salzburg-Stadt (SN). Schlägereien, Übergriffe, hoher Alkoholpegel und Polizeieinsätze: Der Rudolfskai in der Stadt Salzburg hat in den vergangenen Wochen immer wieder für Schlagzeilen gesorgt.

Der Verein „Go Salzburg“ will dem entgegenwirken. „Wir wollen am Rudolfskai etwas ändern“, sagen Andreas Baumgartner, Anna Carlson und Glenn Chapman. Ihr Konzept dazu basiert auf zwei Säulen. Zum einen will man ein Lokal am Rudolfskai einrichten, in dem nur alkoholfreie Getränke ausgeschenkt werden. Das Global Café wird in die Räumlichkeiten der Roses-Bar im Gehmacher-Haus einziehen. Der Pachtvertrag läuft aus und wird vom Verein übernommen. Das Café solle einen „coolen Look“ haben, sagt Projektleiter Baumgartner. Konzept aus England Zum Zweiten will man mit „Street Buddies“ – sechs Freiwilligen als eine Art Sozialarbeiter – an der Lokalmeile unterwegs sein. Start ist im Juli nächsten Jahres.

Glenn Chapman. Er ist Pastor der Glaubensgemeinschaft Every Nation und war früher selbst Türsteher in Südafrika. Er verweist auf das englische Konzept der „Street Pastors“, die es dort seit etwa zehn Jahren gibt. Sie seien freitags und samstags von 22 bis vier Uhr früh unterwegs und kümmerten sich um Jugendliche. Der Verein „Go Salzburg“ hat das Konzept übernommen. Die Mitglieder sind nicht nur von Every Nation, sondern gehören auch der katholischen oder evangelischen Kirche an.

Man wolle am Rudolfskai betrunkene oder verletzte Jugendliche versorgen und so die Gewalt eindämmen. Dazu werden die „Street Buddies“, die eigene Jacken und Kappen tragen, auf dem Kai unterwegs sein. „Überall in England, wo das eingeführt wurde, ist die Kriminalität stark gesunken“, sagt Chapman. Als Beispiele nennen die Organisatoren: „Wir verteilen Flip-Flops für Frauen, die mit den Stöckelschuhen nicht mehr gehen können. Wer friert, bekommt eine Decke.“ Die sechs Freiwilligen sollen aus unterschiedlichen christlichen Religionsgemeinschaften stammen. Es gehe nicht darum, betonen die Initiatoren, zu missionieren oder zu predigen. Wichtiger sei, die christlichen Werte zu leben und weiter zu tragen. „Es ist eine Hilfestellung.“ Warum sie die Situation am Rudolfskai verbessern wollen, ist rasch erklärt: „Wir sind alle Eltern mit Kindern, die am Rudolfskai fortgehen.“Stadt ist aufgeschlossen Der Verein hat das Konzept auch schon Bgm.-Stv. Harald Preuner (ÖVP) vorgestellt: Aus dessen Büro hieß es am Montag: Man sehe die Einrichtung einer alkoholfreien Zone positiv und werde das Projekt nach Kräften unterstützen. Das Konzept sei „engagiert“ und solle auf „Gegenliebe stoßen“. Man habe die Initiatoren aber auch auf mögliche Gefahren durch Übergriffe hingewiesen.

Der Verein lässt sich davon nicht beeindrucken. Durch mögliche Misserfolge werde man sich nicht entmutigen lassen, sagte Baumgartner. Man plane einen langfristigen Einsatz. Die „Street Buddies“ erhalten eine zwölftägige Ausbildung. Der Verein arbeitet dafür auch mit Lokalpolitik und Polizei zusammen.

Für die Umsetzung des Konzepts ist man aber vorerst auf Spenden angewiesen. Später wolle man sich durch das Café finanzieren.