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Liebe Freunde, Vor mehr als einem Jahr sah ich einen jungen Mann in der Nähe der „Apo Bar“ am Rudolfskai gegen eine Mülltonne treten. Er war offensichtlich betrunken und ärgerlich über etwas. Ich war mir sicher, dass er ein Gesicht vor sich hatte, das er treten wollte und ich erinnere mich, dass ich froh war, dass er seine Wut nur an einer Mülltonne ausließ. Es ist leicht, einen Verrückten zu sehen, der seinen Ärger auslässt und zu denken „ich bin froh, dass ich mit dem nichts zu tun habe“. Wie auch immer, in jener Nacht gab es damit einen Plan, von dem ich noch nichts wusste.

Nur eine Stunde später kam dieser gleiche junge Mann mit seinem rasierten Kopf und schwarzer Jacke über die Straße auf uns zu getaumelt, zusammen mit seiner Freundin, die im gleichen schlechten Zustand war. Als sie auf unserer Straßenseite angekommen waren, stolperten sie und fielen auf den Gehsteig. Das Mädchen fiel mit dem Gesicht voran und zwei unserer Street Buddies beeilten sich, ihr aufzuhelfen. Sie wischten das Blut ab und nahmen sie mit, um Eis zu besorgen, das sie auf die große Beule auflegen konnten, die sich in ihrem Gesicht abzuzeichnen begann. Der junge Mann blieb bei mir, bis er sich etwas gesammelt hatte. Wir gingen dann miteinander und vertieften uns in ein Gespräch.

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Ich konnte nicht glauben, dass ich mit diesem Typen zusammen war, der fortfuhr über Leute zu fluchen und davon sprach, wie er sie schlagen würde. Er hielt inne und bot mir eine Zigarette an, während wir sprachen. Dann erzählte er mir, wie sein Vater ihn und seine Mutter verlassen hatte, als er noch klein war. Als seine Mutter dann einige Jahre später starb, zogen ihn die Großeltern so gut sie konnten auf. Er erzählte mir, wie gerne er heiraten würde, aber keine Ahnung hat, wie er ein guter Ehemann oder Vater sein könnte, weil er kein Vorbild hatte. Er fragte mich, was ich über ihn dachte und ich sagte ihm, er klingt für mich mehr wie ein Teddybär als ein harter Typ. Das gefiel ihm und er bestätigte, dass ich ihn sah, wie er wirklich ist.

Wie es passieren konnte, dass dieser junge Mann, der seine Knöchel an einer Mülltonne verletzte und mich dann ein paar Stunden später umarmte, weiß ich nicht. Aber diese Woche, mehr als ein Jahr später, bin ich Zeuge einer noch erstaunlicheren Verwandlung geworden. Genau derselbe junge Mann sagte mir, dass er ab und zu als Street Buddy mit mir kommen möchte. Ich glaube, dass dieser Junge einen Vater wird kennenlernen, von dem er bisher nichts wusste, und ich denke, dass es genau dort am Rudolfskai passieren könnte. Wenn Du erleben willst, was Deinen Vater bewegt, dann komm‘ doch mit uns in die Innenstadt von Salzburg, wir sind jeden Freitag und Samstag Abend ab 23:30 Uhr unterwegs. Es gibt immer eine Party am Rudolfskai.