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Samstag um 23:00 Uhr schlägt mein Herz ein wenig schneller. Zusammen mit einigen Anderen ziehen wir blaue Jacken an. Oft brauchen wir ein paar Extraschichten, da die kalte Luft von der Salzach in unsere Knochen kriecht, wenn wir auch schon gelernt haben, mit der Kälte am Rudolfskai umzugehen. Warme Stiefel, Schals, Handschuhe und Kappen, die unsere Ohren bedecken, sind die Lösung. Einige von uns nehmen manchmal sogar eine Thermosflasche mit heißem Tee mit. Regen wiederum ist ein anderes Kapitel. Es ist schwierig warm zu bleiben, wenn man nass ist. Wir frieren und sind durchnässt, aber im Geist sind wir es nicht, denn wir haben noch nicht eine langweilige Nacht gehabt. Einige Nächte sind gut, andere schlecht, aber nicht eine davon ist langweilig in der Innenstadt Salzburgs.

Wir kennen schon so viele junge Leute da draußen. So viele Namen und so viele neue Freunde. In den ersten zwei Monaten als Street Buddies hatten wir viel Zeit damit verbracht, den jungen Leuten zu erklären, wer wir sind und was wir tun. Immer öfter passiert es nun, daß jemand nachfragt und die Person neben ihm gibt die Antwort und erzählt öfters auch eine kleine Anekdote über die Street Buddies. Letztes Wochenende erlebten wir mit Freude, daß eine Lehrerin zu uns kam und erzählte, daß ihre Schüler ihr von uns Street Buddies erzählt h a t t e n . S i e k a m i n d e r regenreichsten Nacht, die wir bisher erlebt hatten, und lobte und ermutigte uns. In der letzten Zeit habe ich mehr und mehr Blut am Rudolfskai gesehen. Manchesmal geschieht alles so schnell, daß es vorüber ist, bevor wir überhaupt den Polizei- Notruf 133 wählen können. Aber immerhin brauchten wir die letzten Male keine Rettung zu rufen. Natürlich ist es halb so interessant ohne diese Aktionen für alle Jene, d i e d e n 3 0 0m l a n g e n K a i frequentieren. Sogar der Leichnam eines jungen Besuchers, welcher vor ein paar Wochen unter einer Brücke in der Salzach gefunden wurde, stoppte das unablässige Partyfeiern nicht.

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Wir haben für mehr Street Buddies gebetet. Unsere erste und einzige Quelle für Freiwillige waren die zahlreichen Kirchen und Glaubensgemeinschaften in Österreich und Bayern, aber von dort kommt das Interesse nicht. Das Interesse an der Mitarbeit kommt von der Straße! Nun haben sich uns die ersten Freiwilligen s e i t d em Be g i n n u n s e re r Ar b e i t angeschlossen. Sie kommen nicht aus einem Christus-zentrierten Hintergrund und sie fühlen sich dazu nicht verpflichtet. Sie sehen nur die Not und sie sehen, wie gerne wir das tun. Und wir tun es wirklich gerne! Es ist großartig!

Ihr sollt wissen, daß Ihr eingeladen seid. Ich würde niemals jemanden einladen, wenn ich nicht wüßte, daß sie eine gute Zeit haben würden. Und das werdet Ihr. Wenn Du Menschen liebst, dann gibt es genügend junge Leute nachts da draußen, die auf Dich warten. Und es ist einfach. Ja, Du wirst wohl nicht Deine vollen 8 Stunden Schlaf bekommen, aber ansonsten ist es ziemlich leicht. Zurzeit sind wir 19 Leute, aber nur 3-5 von uns sind jede Woche im Einsatz. Wir brauchen und möchten 50, mit 4-5 Buddies jeden Freitag und Samstag. Hast Du schon Pläne für Samstag Abend? Nein? Dann komm‘ zur Party am Rudolfskai im Zentrum von Salzburg! Wir sind die mit den leuchtend blauen Jacken.

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