Liebe Street Buddies-Unterstützer, Es ist mir eine große Freude, Euch Laura Chapman und ihr Zeugnis zu präsentieren. Laura ist seit dem Beginn dieses Projekts eine treue und mütterliche Mitarbeiterin am Kai. Zusammen mit ihrem Ehemann Glenn und Sohn Daniel machen sie oft den Samstag-Turnus, wo es oft am meisten zu tun gibt. Wir versuchen weiterhin zu verstehen, was Jesus auf den Straßen tun will – das heißt, wir sind in einem Prozess. Hier folgt nun Lauras Geschichte, mitten aus diesem Prozess, mitten in der Nacht, mitten am Rudolfskai:

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“Es ist 23 Uhr, Zeit zum Fertigmachen. Ich schaue das Wetter auf meinem iPhone an, damit ich mich entsprechend anziehen kann…

Als ich aus meinem warmen und gemütlichen Bett steige, schreit mein ganzer Körper! Zu müde, meine Muskeln schmerzen, der Kopf tut mir weh, mir ist nicht danach….und so weiter und so fort. Ich ziehe mich an und gehe in den Keller, um die Rucksäcke zu überprüfen. Sie sollten mit Wasserflaschen, Flip Flops, einem kleinen Erste-Hilfe Paket, Taschentüchern, Papiertüchern und nicht zuletzt mit Mentos gepackt sein.

Nachdem alles gecheckt ist, ist auch Glenn fertig zum Losfahren. Ich ziehe meine bequemen Schuhe und zuletzt meine blaue Street Buddy Jacke an. Das ist die Routine für uns, wann immer wir auf den Rudolfskai gehen um zu tun, was uns auf dem Herzen liegt.

Nachdem wir geparkt haben, gehen wir langsam Richtung Rudolfskai. An der Anzahl der jungen Leute, die wir auf den Straßen sehen, können wir feststellen, was für eine Nacht es werden wird…manchmal! Die Nächte sind zumeist unvorhersehbar, daher bleiben wir in Bereitschaft, wach und aufmerksam. Auf diesem kurzen Strassenstück von 23:30 bis 04:30 auf- und abzulaufen, kostet Kraft und wenn es 02:00 Uhr ist, kann ich fühlen, wie die Müdigkeit überhand nehmen will. Um diese Zeit freuen wir uns alle auf eine wohlverdiente Pause, uns hinzusetzen und einen heißen Kaffee zu trinken, manchmal auch eine Kleinigkeit zu essen.

Wenn wir dann aus dem Burger King kommen, sind wir bereit für die nächsten paar Stunden. Da gibt es Nächte, wo eine „komische“ Atmosphäre spürbar ist, Situationen plötzlich explodieren und Kämpfe an verschiedenen Stellen gleichzeitig ausbrechen. Plötzlich brauchen junge Leute Wasser, andere werden bewusstlos oder erbrechen sich, andere wieder streiten, weil ein Freund oder Freundin etwas sagt oder tut, was den anderen verletzt. Und so schnell, wie alles begonnen hat, ist es auch wieder vorbei. Und dann gibt es Zeiten, wo überhaupt nichts passiert und die Straßen wie leergefegt sind. Ruhe. Da gibt es Nächte mit hunderten von jungen Leuten auf den Straßen und in den Bars und es gibt keine Zwischenfälle. Jeder ist glücklich und friedlich und es sieht aus, als würde auch nicht zu viel getrunken werden. Es war eine dieser Nächte, als ich die Antwort auf eine Frage erhielt, die ich mir oft gestellt hatte:

Diese Zeit ist in deinem Leben doch vorbei, du brauchst nicht bis zu den frühen Morgenstunden da draußen sein… Warum tust du das?

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Es war eine Samstagnacht, vor dem Halloween-Wochenende glaube ich. Wir waren vom Burger King zurückgekommen und bereits wieder ca. 1 Stunde auf der Straße, als ich aus dem Augenwinkel jemanden zu Boden fallen sah. Ein anderer Street Buddy rannte zu dem jungen Mädchen hin. Ich drehte mich um, erkannte sie und mein Herz schmerzte! Ich lief zu ihr und sah, dass es ihr gar nicht gut ging. Sie erbrach sich.

Ich kannte sie schon von vorherigen Gesprächen. Sie war ein süßes, junges Mädchen, das leise sprach. Sie hatte schon mein Herz berührt….und nun brach es. Ich gab ihr etwas Wasser und ein Papiertuch. Ich hielt ihr Haar vom Gesicht weg, sodass sie nicht in das Erbrochene hingen. Ich fragte sie, ob ich jemanden anrufen könnte, der sie abholen würde. Ihr Bruder war schon auf dem Weg. Ich wollte sie nur in meinen Armen halten, drücken und ihr sagen, dass sie aufhören solle, sich selbst so etwas anzutun. Aber das tat ich nicht. Ihr Bruder kam ungefähr 5 Minuten später. Wir halfen ihr auf und brachten sie zum Auto.

Mir war zum Weinen zumute. Die Woche darauf erzählte sie meinem Sohn Daniel, was passiert war. Sie hatte ihm erzählt, dass wir dort waren, um ihr zu helfen und sie zu versorgen. Sie sagte ihm, dass sie sich dadurch besonders fühlte und es ihr Sicherheit gegeben hat.

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Am nächsten Samstag kam sie schnurstracks auf mich zu und umarmte mich ganz fest. Ich schluckte die Tränen hinunter. Und in diesem Moment bekam ich die Antwort auf meine Frage, warum ich das tue. Ich tue es für sie. Ich tue es für diese eine junge Person, die sich dadurch besonders und sicher fühlt. Ich tue es, weil ich es tun muss. Ich verspüre, dass ich dazu berufen bin. Ich lebe meinen Glauben dadurch aus.

Für diese(n) Eine(n)! Und für den EINEN. Das ist der Grund, warum ich bei den Street Buddies bin.”